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- Vermächtnis des Hauses Wittelsbach |
Prälat
E. H. R i t t e r, Regensburg
1. Mai:
Hochfest PATRONA BAVARIAE
- Vermächtnis
des Hauses Wittelsbach
Die Mariensäule
in München
Das gewaltige Säulenmonument
wurde gekrönt mit der herrlichen Statue der Madonna mit dem Kind,
geschaffen von dem Künstler Hubert Gerhard im Jahre 1594.
Mitten in den Wirren des
Dreißigjährigen Krieges, am 7. November 1638, wurde die Säule
im Beisein des Kurfürsten, der Geistlichkeit und lausender Gläubiger
feierlich eingeweiht. Maximilian hatte mit Bedacht diesen Tag gewählt,
denn an ihm fand alljährlich die große Dank- und Gedächtnisprozession
für den Sieg am Weißen Berg bei Prag (1620) statt. Die bewußt
prunkvolle und deshalb auch einprägsame Einweihung der Mariensäule
löste beim Volk große Begeisterung aus, und die Verehrung Mariens
als Patronin Bayerns verbreitete und vertiefte sich rasch im ganzen Land.
Damit wurde die Mariensäule, neben dem bayerischen Nationalheiligtum
Altötting, Mittelpunkt und Hort der marianischen Frömmigkeit.
Kurfürst Maximilian legte damit das Fundament für die Einführung
des Hochfestes PATRONA BAVARIAE.
Doch es fehlte noch die päpstliche
Bestätigung für das Patronat der Gottesmutter. Sie zu erwirken
war dem bayerischen König Ludwig III. (1845-1921) vorbehalten. Bayern,
das 1400-jährige „Marianische Reich", wie es in einer Urkunde des
Heiligen Stuhls genannt wird, verdankt dieses Privileg dem großen
Friedenspapst BenediktXV.(1914-1922).
König Ludwig III. und
seine Gemahlin Maria Therese, während des Ersten Weltkriegs zur Ohnmacht
gegenüber dem deutschen Kaiser Wilhelm II., der drohenden Haltung
seiner obersten Heeresleitung (Hindenburg, Ludendorff) und der deutschnationalen
Reichsregierung verurteilt, übergaben in dieser Situation sich selber,
ihr Volk und Land der Gottesmutter. In ihre mütterliche Hände
legte der König, gleich seinem Vorfahren Maximilian l., nach 300 Jahren
neuerlich die Gegenwart und Zukunft seines Landes.
Papst Benedikt
XV. bestätigt das Patronat
Gleich einem Hohenpriester
auf königlichem Thron hatte Ludwig III. bereits fünf Jahre zuvor
seine Bayern zum kindlichen Vertrauen auf Mariens schirmende Macht und
mütterliche Güte aufgerufen, als er bei der Grundsteinlegung
der Basilika St. Anna in Altötting, die er gestiftet hatte, im Jahre
1911 sagte: „Auch ich habe Sorgen und Kummer und ich habe sie niedergelegt
vor dem Muttergottesbild in der heiligen Kapelle. Wir alle sind Zeugen,
was hier im Laufe der Jahrhunderte durch die Fürbitte der allerseligsten
Jungfrau Maria erreicht worden ist und wie sie die Bitten vieler schwerbeladener
Menschen erfüllt."
Im Jahre 1916 befanden sich
breite Bevölkerungsschichten in einer schwierigen Notsituation. Sie
hatten nicht nur die schweren Lasten, die der Erste Weltkrieg mit sich
brachte, zu tragen, sondern litten auch unter der zunehmenden Lebensmittelknappheit.
Da Bayern als Agrarstaat die übrigen Länder des Reiches mitversorgen
mußte, wuchs im Volk die Abneigung gegen die Reichsregierung, die
zu keinem Friedensschluß bereit war.
Am 8. April 1916, also vor
90 Jahren, wandte sich König Ludwig an Papst Benedikt XV. mit der
Bitte, er möge die Gottesmutter offiziell zur Hauptpatronin Bayerns
erklären und die Feier eines eigenen Festes gestatten. Der Papst wußte
um die Tradition der großen Marienverehrung in Bayern und ebenso
um die vatikanfreundliche Politik des Monarchen. Deshalb gewährte
er gern diese Bitte. Bereits am 12. Mai 1916 schrieb die Apostolische Nuntiatur
Bayerns, daß seine „Heiligkeit dem allerhöchsten Wunsche Seiner
Majestät des Königs entsprechend, die seligste Jungfrau offiziell
zur PATRONA BAVARIAE erhoben und für immer ihr zu Ehren ein eigenes
Fest am 14. Mai für das Königreich Bayern
bewilligt habe."
Noch am selben Tag traf auch
das Dekret der römischen Ritenkongregation ein, wonach der Tag als
ein Fest erster Klasse mit Oktav, mit einem besonderen Brevieroffizium
und einem eigenen Meßformular gefeiert werden konnte. Da die liturgischen
Texte erst einer Prüfung bedurften, konnte das Hochfest PATRONA BAVARIAE
erstmals am 14. Mai 1917 in allen Diözesen Bayerns begangen werden.
Mit Rücksicht auf die Belastungen des Ersten Weltkriegs wurden die
äußerlichen Feiern mit Genehmigung des Heiligen Stuhls auf den
darauffolgenden Sonntag, den 20. Mai, verlegt.
Heilstheologische
Bedeutung des Festes
Heilstheologisch betrachtet
war die Einführung bzw. die Proklamation Mariens als Hauptpatronin
Bayerns mit päpstlicher Genehmigung ein ganz großes Ereignis,
das in allen Geschichtsbüchern doppelt unterstrichen werden mußte.
Die Schutzherrschaft der Mutter des Herrn bedeutet eine außergewöhnliche
Auszeichnung. Kraft seiner Vollgewalt (suprema auctoritate sua) hat Papst
Benedikt XV. Maria ausdrücklich zur Hauptpatronin Bayerns erklärt
und ihr alle Ehrenbezeigungen und Privilegien, die nach Rechtsgebrauch
den Schutzpatronen eines Landes gebühren, zugewiesen. Damit hat der
Stellvertreter Christi auf Erden das Land dem Schutz und Schirm der Gottesmutter
anvertraut. Wahrlich ein Vorgang von ungeheurer
Tragweite, durch den eine neue Zuordnung
Mariens zu Bayern ausgelöst wurde, der freilich auch eine neue Hinwendung
des bayerischen Volkes zu seiner Schutzfrau hätte entsprechen müssen.
Diese ist aber leider bis heute noch immer nicht in dem Maße erfolgt,
wie es wünschenswert wäre.
Seither sind 90 Jahre vergangen,
und ein neues Jahrtausend ist angebrochen. Damit ist dieser Rückblick
angebracht. Heuer können wir außerdem das 200-jährige Jubiläum
der Errichtung des Königreiches Bayern begehen. 1806 war aus dem altbayerischen
Kurfürstentum ein souveränes Königreich geworden, vergrößert
durch Franken und Teile Schwabens, also ein Mittelstaat, der sich zwischen
den mächtigen Ländern Österreich und Preußen behaupten
mußte. Nach dem Sieg Preußens 1866 über die mit Österreich
verbündeten Bayern sowie durch die ungewollte Teilnahme am Krieg 1870/71
hat Bayern durch den Druck Preußens seine Souveränität
verloren und mußte sich dem neuen Reich als Mitglied einordnen.
Wenngleich die Revolution
von 1918/19, angezettelt durch hauptsächlich nichtbayerische Linkssozialisten,
Bayern seines Königs beraubt hat und unser Land während der NS-Zeit
zur Provinz degradiert wurde, hat die PATRONA BAVARIAE dennoch immer wieder
ihre schützende Hand über Volk und Land gehalten. Ich bin überzeugt,
daß es das Vertrauen in die Fürsprache Mariens war, das dem
Rätesystem 1918/19 ein rasches Ende bereitete und 1945 den russischen
Truppen an der Nord- und Ostgrenze Bayerns Halt geboten hat.
Rückkehr
zu den Wurzeln
In einer 1400-jährigen
Tradition stehend, haben wir nach dem Zweiten Weltkrieg und der grauenvollen
NS-Zeit noch einmal das Geschenk eines neuen Staates als kostbares Gut
für die Zukunft erhalten. Auch dies danken wir gewiß der Fürbitte
Mariens, die uns als Schutzherrin stets die Treue gehalten hat.
Aber hier müssen wir
uns fragen: Wie steht es mit unserer Treue,
die wir ihr schulden? Besinnen wir uns
und stellen wir uns die Frage, welche Bedeutung die PATRONA BAVARIAE heute
in unserem privaten und öffentlichen Leben noch einnimmt? Ich fürchte,
die Antwort wird nicht befriedigend ausfallen.
Allzuviele haben in unserem
Land mutwillig und leichtsinnig das Traditionsbewußtsein verkürzt
oder verstümmelt, die Jugend in ihrem Glaubens- und Geschichtsbewußtsein
ausgehungert. Damit haben sie das Klima christlicher Moral untergraben,
das 1400 Jahre die Grundlage unseres Lebens und Volkstums geprägt
hat.
Bayern wird aber nur dann
Bestand haben, wenn es zu den Wurzeln zurückkehrt und sich wieder
der Bedeutung der Schutzherrschaft Mariens bewußt wird, sie verehrt
und sich vor allem ihrer würdig erweist. Es scheint mir notwendig,
die Verehrung der PATRONA BAVARIAE gleichsam zum Staatsprogramm zu erheben.
Es würde uns Bayern sowohl in religiöser wie vaterländisch-heimatlicher
und menschlicher Hinsicht zusammenschweißen. Damit könnte der
Bedrohung von außen und innen gemeinsam begegnet werden und die Existenz
des bayerischen Volkes, seiner Kultur und Umwelt gesichert werden.
Für Maria gab es kein
anderes Gesetz der Lebensgestaltung als Jesus Christus, sein Wort und sein
Beispiel. Dies muß auch für uns seine Gültigkeit haben.
| An der ewigen
Weisheit Gottes, nicht an flüchtigen
Tagesmeinungen, müssen sich Politik, Gesetzgebung und Staatsführung,
Handel und Wandel, Wissenschaft und Volksbildung orientieren.
Wir verehren Maria mit Recht als „Sitz der Weisheit"; wenden wir uns doch in allen Lebenslagen an sie! |
Den Weg zu und mit Christus zeigt die Königin des Himmels und der Erde. Nicht ohne sie, nur mit ihr können die grundlegenden Probleme im eigenen Land gemeistert werden. Nur damit kann Bayern wieder zum Sauerteig der abendländischen Völkerfamilie werden und mitwirken an einem Europa, das vom Kreuz Christi und seiner Heilsbotschaft geprägt wird.
(Quelle: "Bote von
Fatima" 5/2006, S. 72ff., Regensburg)